Hundeerziehungsphilosophie

Hundeerziehungsphilosophie Social Interaction with Dogs Karsten von mobile Hundeschule Berlin mit Kira

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Im Folgenden wird  die Hundeerziehungsphilosophie Social Interaction with Dogs vorgestellt. Diese wird in den nächsten Wochen und Monaten ständig weiter entwickelt. Die Hundeerziehungsphilosophie Social Interrelation with Dogs ist urheberrechtlich geschützt , sie darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Mobilen Hundeschule in Berlin genutzt werden.

 

Einleitung

In den letzten zwanzig Jahren wurden etliche Bücher über Hundeerziehung und Hundeerziehungsmethoden veröffentlicht. Die Auswahl ist groß.
Warum also ein weiteres Buch über Hundeerziehung schreiben?
Die Antwort lautet: Die meisten Erziehungsmethoden arbeiten mit Hilfsmitteln. Mit Hilfsmitteln wie Leckerlis, Leine, Halsband und leider auch Zwangsmitteln wie Stachelhalsbändern. Der Hund mit seiner Rasse, seinem Wesen,  seinem Alter, seiner Persönlichkeit und vor allem seinem ureigenem Instinkt nach sozialen Kontakten wird kaum berücksichtigt. Meist ist das Ziel der verschiedenen Erziehungsmethoden, dass der Hund soll, am besten sofort und immer. Das Rudeltier Hund
wird dabei ignoriert. Beispiele dafür, dass diese Art der Hundeerziehung häufig nicht funktioniert, sind der Hundehalter, der
trotz Halti und Stachelhalsband von seinem Hund durch die Gegend gezogen wird. Oder die Hunde, die aggressiv auf jeden Artgenossen Hund, kann man nur traurig den unserer Auffassung nach kein artgerechtes, naturgemäßes Hundeleben.

Die Hundeerziehungsphilosophie Social Interaction with Dogs ist eine Alternative zu den bisher bekannten Erziehungsstilen und arbeitet vorrangig mit dem Sozialinstinkt des Hundes.
Viele Hundebesitzer, leider auch viele Hundetrainer, sind überzeugt davon, ihren Hund nach den neuesten Erkenntnissen der Ethologie und Tierpsychologie zu erziehen und natürlich die Körpersprache des Hundes zu verstehen. Doch Kommunikation hat vor allem etwas mit Körperhaltung, Gestik, Mimik und Sprache zu tun, nicht mit Leine und Halsband.
Ein Hund, der vom Welpenalter an nach der Erziehungsphilosophie Social Interaction with Dogs erzogen wurde, benötigt keine Leine.
Genau betrachtet stehen Halsband und Leine auch im Widerspruch zur Auffassung vieler Hundebesitzer, die in ihrem Hund einen Sozialpartner und guten Freund sehen.
Würden Sie ihren Sozialpartner an die Leine nehmen? Wann haben Sie ihrer Frau / ihrem Mann das letzte Mal ein Halsband angelegt? Social Interaction with Dogs ist eine in sich klare, verständliche und gut strukturierte Hundeerziehungsphilosophie basierend auf dem Wissen über das natürliche Verhalten von Hunden. Denn nur wer den Sozialpartner Hund wirklich versteht, wer die rasse- und altersspezifischen Verhaltensweisen kennt und wer das natürliche Verhalten (oder: das Wesen) seines Hundes respektiert, der ist in der Lage, mit seinem Hund zu kommunizieren.

 

2. Begriffserklärung

social : (sozial)
Das Wort sozial (von lat. socius = gemeinsam, verbunden, verbündet) bezeichnet wechselseitige Bezüge als eine Grundbedingtheit des Zusammenlebens, insbesondere des Menschseins (der Mensch als soziales Wesen). In der Umgangssprache bedeutet „sozial“ den Bezug einer Person auf eine oder mehrere andere Personen; dies beinhaltet die
Fähigkeit (zumeist) einer Person, sich für andere zu interessieren, sich einfühlen zu können und das Wohl Anderer im Auge zu behalten.

Interaction: (Interaktion)
Interaktion bezeichnet das wechselseitige aufeinander bezogene Handeln zwischen Akteuren, also das Geschehen zwischen Individuen, die aufeinander reagieren, einander beeinflussen und steuern. Grundlage hierfür ist die Kommunikation.

Social Interaction with Dogs könnte also übersetzt werden als Wechselbeziehung zwischen Mensch und Hund, denn nicht
nur der Hund lernt vom Menschen – wir lernen auch vom Hund. Es findet ein Geben und Nehmen in beiden Richtungen statt.
In der heutigen Welt gibt es die unterschiedlichsten Formen von Beziehungen, geschäftliche, wie z.B. Vertragsbeziehungen, aber auch private und persönliche.
Social Interaction with Dogs meint in erster Linie eine vertrauensvolle, für beide Seiten als positiv empfundene Wechselbeziehung zwischen Mensch und Hund, bei der die körperliche, seelische und psychische Zufriedenheit beider Individuen im Vordergrund steht.
Die Entwicklungsphasen des Hundes

Lange bevor ein Welpe bei seiner Menschenfamilie einzieht, in der pränatalen Phase, werden die wichtigsten Grundsteine für die
spätere Entwicklung des Hundes gelegt. Das beginnt bereits mit der sorgfältigen Auswahl der Elterntiere.
Ein verantwortungsvoller Züchter wird nur Hunde verpaaren, die körperlich gesund sind, ein ausgeglichenes
Wesen haben,  und sowohl anderen Tieren als auch anderen Menschen gegenüber ein freundliches Verhalten zeigen.
Rassestandards, die sich überwiegend auf das äußere Erscheinungsbild beziehen, sollten  nur eine sekundäre Rolle spielen, denn in erster Linie möchten wir einen Gefährten, der sozialverträglich und umgänglich ist, keinen maßgeschneiderten Hund mit genau vorgeschriebener Farbe, Rutenform und zentimetergenauer Größe.
Wohin übertriebene Rassestandards führen können, sieht man bei vielen sogenannten „Gesellschaftshunden“. Ein gutes Beispiel ist der Mops mit seiner platten und viel zu kurz gezüchteten Nase, so dass er häufig Probleme beim Atmen hat und schon bei der
kleinsten Anstrengung kaum noch Luft bekommt. Wie fühlt es sich wohl an, permanent nach Luft schnappen und dabei möglichst schnell dem Herrchen hinterher rennen zu müssen? Mit solch einer Nase herum zu laufen, stellen wir uns ähnlich vor, wie als Mensch mit einer Wäscheklammer auf der Nase Sport zu treiben. Sicher kein angenehmer
Gedanke!
Mit dem Deutschen Schäferhund verhält es sich ähnlich. Seine Hinterläufe wurden im Laufe der Jahre aus rein optischen Gründen so weit kürzer gezüchtet, dass Gelenkserkrankungen schon in jungen Jahren vorprogrammiert sind.
Dabei geht es auch anders wie verantwortungsvolle Züchter zeigen : Möpse mit ausreichend langer, atmungsfähiger Nase,
Schäferhunde mit normal langen Hinterläufen, die nicht in ihren Bewegungen beeinträchtigt sind.
Nicht nur dem Hund kommt dies zugute: Auch der Besitzer erfreut sich an der Vitalität und Lebensfreude seines Hundes  und spart zudem noch Tierarztkosten, weil sein Hund gesund bleibt.

 

Die Entwicklungsphasen des Hundes

Beide zukünftigen Elterntiere sollten sich mindestens eine Woche lang kennen, bevor sie verpaart werden. Unserer Meinung nach sollte es den Tieren dabei auch freigestellt sein, ob und wann sie sich verpaaren, da wir einer Zwangsverpaarung sehr kritisch
gegenüber stehen und wir sogar so weit gehen würden, dies überspitzt mit einer Vergewaltigung zu vergleichen.
Des Weiteren sollten bei der Verpaarung im Idealfall zwei Menschen anwesend sein, die die Hunde während der Hängezeit  beruhigen, bis sie in der Lage sind, sich schmerzfrei und selbstständig zu lösen.

In den 63 Tagen der Tragezeit der Mutterhündin sollte jeder verantwortungsvolle Züchter darauf achten, dass sich die Hündin auf keinen Fall überanstrengt. Es sollten Entspannungsübungen einstudiert werden. Im Idealfall hat man diese schon vor der Schwangerschaft mit der Hündin geübt und somit für beide verinnerlicht. Während solcher Entspannungsübungen liegt die Hündin seitlich auf dem Boden, so dass sich der Besitzer hinter sie legen kann und in langen, ruhigen Bewegungen mit der flachen Hand von den Vorderläufen bis zur Rute über den Körper der Hündin streichelt. Begleitet werden kann diese Übung
mit entspannender Musik, die nicht nur auf den Menschen, sondern auch
auf die meisten Hunde beruhigend wirkt.
Während der Tragezeit sollten Besuche beim Tierarzt mit regelmäßigen Check-Ups selbstverständlich sein.

Nach ca. 63 Tagen wirft die Hündin. Die Welpen werden taub und blind geboren. Trotzdem kann  nicht vollkommen ausgeschlossen werden, dass Umwelteinflüsse bereits in diesem Lebensabschnitt auf das Verhalten der Welpen Einfluss nehmen.
Die ersten Lebensminuten sind enorm wichtig für die Lebenskraft eines Welpen, weshalb der bekannte Hundeforscher Eberhard Trumler den sogenannten Biotonus-Test entwickelte, den jeder professionelle und verantwortungsvolle Züchter durchführen sollte. Die Welpen werden dazu nach einer Schlafphase auf ein mit Kästchen bemaltes Brett gelegt. Da sie nach der Geburt nur durch den Willen geprägt sind, die mütterliche Milchleiste zu erreichen, wird getestet, mit wie viel Antriebskraft sich der
einzelne Welpe in Bewegung setzt und wie viele Geräusche er dabei und Schmerzreflex getestet. Durch Test nur von ausgebildeten Fachleuten durchgeführt werden, um ein aussagekräftiges
Ergebniss zu erhalten.
Die erste und zweite Lebenswoche eines Welpen wird auch vegetative Phase genannt. Es ist quasi eine Fortsetzung des unbewussten Lebens, das dem Wachstum und der Gewichtszunahme dient. In dieser Phase zeigt der Welpe lediglich ein Reiz-Reaktionsverhalten, das durch das periphere Nervensystem gesteuert wird und dem Selbstschutz bzw. und 2 Wochen alten Welpen auch schon ein gewisses Instinktverhalten an den Tag, das die Basis für ihr späteres Verhalten darstellt. Das Suchverhalten, das Jammern, der Milchtritt und das Kontaktliegen zählen dazu. Saugen und Milchtritt sind dabei aneinander gekoppelt. Außerdem liegen die Welpen immer eng bei der Mutter. Ist diese nicht da, bilden die Welpen ein Knäuel, das der Wärmeregulierung dient, da ihr Körper noch nicht in der Lage ist, seine Wärme alleine zu halten. Bei diesem Kontaktliegen ist es wichtig, dass der Züchter keine Wärmelampe nutzt, damit die Welpen dieses Instinktverhalten auch zeigen.
Tägliches Wiegen sollte in dieser Phase Pflicht sein, um zu kontrollieren, ob die Welpen ihr Gewicht in der ersten Woche verdoppelt, nach drei Wochen verdreifacht haben.
13. Tag öffnen die Kleinen ihre Augen und Ohren, wenngleich das Sehvermögen und die Ohrmotorik noch stark eingeschränkt sind.

In der dritten Woche beginnt die sogenannte Übergangsphase. Die Prägung auf den Menschen spielt in dieser Phase eine große
Rolle, d.h. häufiger körperlicher Kontakt zum Züchter ist enorm wichtig, da es die Basis für eine enge Bindung zum Menschen bildet. Die Welpen können sich nun erstmals vor Dingen erschrecken, der Züchter kann sich diesen Schreckreflex jedoch zu Nutze machen, indem er in dieser Phase Schattenspiele trainiert und die Geräuschempfindlichkeit desensibilisiert. Das Kontaktliegen lässt in dieser Phase nach. Außerdem finden erste Spiele der Welpen untereinander statt und auch  erstes spielerisches Beuteschütteln kann beobachtet werden. Tägliche Gewichtskontrolle sollte bis zum ca. 21. Lebenstag Pflicht sein.
Ab dem 21. Tag beginnen die Welpen erstmals das Geschehen außerhalb ihres Lagers zu erkunden, und es kann mit der
ersten Zufütterung begonnen werden, die unbedingt aus der Hand des Menschen erfolgen sollte.
Zwischen der 4. und 8. Woche beginnt für die Welpen die wichtige Prägungsphase, in der sie sich weiterentwickeln und einerseits
weniger Reflex- und Selbstschutzverhalten zeigen, andrerseits  mehr Instinktverhalten entwickeln. Die sensorische und motorische Entwicklung schreitet voran, und der Welpe reagiert gezielt auf Sinneswahrnehmungen. Außerdem entwickelt sich
, und olfaktorische Kommunikation der Sozialinstinkt. Erste Jagdspiele werden
durchgeführt, und auch der Territorialinstinkt beginnt sich zu entwickeln, wobei Unterschiede im Temperament (Erbanlage) Unterschiede in der Prägung verursachen.
Diese Phase ist für das spätere Leben enorm wichtig, je und Schnupperkontakt mit dem Menschen während dieser Phase ist, umso menschenfreundlicher wird der Hund Zeit seines Lebens sein. Gleiches gilt für alle anderen Lebewesen: Alle Lebewesen, denen der Welpe in dieser Zeit positiv begegnet, sind auch lebenslang positiv besetzt. Deshalb ist es wichtig, dass der Welpe so viele Menschen und so viele unterschiedliche Tierarten wie möglich kennenlernt, damit er diese später nicht als Bedrohung oder gar als Beute ansieht.
In dieser Phase ist auch eine sanfte Desensibilisierung auf Haushalts- und Umweltgeräusche enorm wichtig, die den Grundstein für einen späteren nervenstarken Hund bilden. Außerdem lassen sich bereits erste spielerische Kämpfe der Welpen
untereinander beobachten (siehe hierzu Wurfrangordnungsphase).
Von enormer Wichtigkeit ist es, dem Welpen in dieser Phase erste Tabus aufzuzeigen, wie zum Beispiel das Unterbinden von Knabbern an menschlicher Haut oder Kleidung, um eine Beißhemmung aufzubauen. Die Welpen balgen sich nun
spielerisch und messen ihre Kräfte untereinander (siehe dazu auch Wurfrangordnungsphase).
Grundsätzlich gilt die Prägungsphase als eine Lernphase von immenser Bedeutung für die Hunde, da das in dieser Zeit Gelernte zeitlebens nicht vergessen wird. Wichtig dabei ist, dass sich der Mensch in Situationen, die für den Welpen neu sind,
neutral verhält und der Welpe so die Erfahrung macht, dass es keinerlei Grund zur Aufregung gibt.

Mit 6 Wochen ist die sensorische Entwicklung der Welpen abgeschlossen. Verantwortungsvolle Züchter führen in dieser Zeit einen zweiten Test, den sogenannten 6-Wochen Test, durch. Dieser deckt Tendenzen der Welpen bezüglich Dominanz, Temperament und Entdeckungsfreude auf und gibt Rückschlüsse auf die bereits stattgefundene  Prägung.
Um den 49. Tag  findet ein gravierender Wandel im Leben eines Hundes statt: Ab diesem Zeitpunkt überlässt in der Natur die Mutterhündin die weitere Erziehung der Welpen weitestgehend dem Rüden. Ab hier sollte die Schulung also
dem Menschen übertragen werden und der Welpe in sein neues Zuhause ziehen und so auch die Bindung zum neuen Besitzer festigen.
Von der 9. Woche an bis zur ca. 12./13. Woche findetbei den Welpen  also die erste soziale Lernphase, die sogenannte
Sozialisierungsphase statt. Die Sozialkommunikation der Welpen verfeinert sich. Dennoch sollte man bedenken, dass sich der Welpe noch nicht all zu lange konzentrieren kann, die Lerneinheiten also nicht zu lang ausfallen und immer mit einem positiven Abschluss enden sollten. Auch in dieser Phase sollten dem Welpen immer wieder neue Dinge gezeigt werden. Möchte man den Hund später überall mit hin nehmen, ist es unerlässlich, dass man schon frühzeitig verschiedenste Örtlichkeiten aufsucht. Dazu zählen auch Besuche in der Stadt, damit der Welpe das hektische Treiben dort kennenlernt. Dabei gilt, dass der Besitzer
sich immer souverän verhalten sollte, um dem Welpen den Eindruck zu vermitteln, dass keinerlei Grund zur Beunruhigung besteht.
In der freien Natur folgt ungefähr ab der 13. Woche bis zur 16. Woche die endgültige Wurfrangordnungsphase, in der die endgültige Rudelordnung innerhalb des Wurfes beschlossen wird. Allerdings üben die Welpen schon ab der 3. Woche Dominanz und Unterordnung anhand von Rangordnungsspielen mit den Wurfgeschwistern. Dies wird als sogenannte vorläufige Wurfrangordnungsphase bezeichnet, da alles noch spielerisch abläuft.

Ab der 13. Woche jedoch wird die Wurfrangordnung durch richtige Rangordnungsstreitigkeiten ausgetragen. Dabei werden dominante und submissive Verhaltenstendenzen für das gesamte weitere Leben der Welpen festgelegt.
Steht die Ordnung innerhalb des Wurfes fest werden die Welpen in das komplette Rudel integriert, was als Rudelordnungsphase
bezeichnet wird und vom 5. bis zum 7. Monat dauert. Dabei lernen die Welpen den Nutzen der Rangordnung in Bezug auf erfolgreiche Zusammenarbeit und Vermeidung von Aggression kennen. Sie lernen nun durch Vorbildverhalten, sowohl jagdlich als auch sozial, und entdecken erstmalig die Grenzen ihres Territoriums. Der Welpe erfährt, dass das Rudel Schutz bietet, außerhalb jedoch Gefahr droht. Ab dem 6. Monat wird der Welpe von den Alttieren mit auf die Jagd
genommen, und er lernt durch den Vorbildcharakter der älteren Tiere, wie erfolgreich gejagt werden kann.

Ab dem 7. Monat folgt die Pubertätsphase, die auch als komplettierende Lernphase bezeichnet wird. In diese Zeit fällt sowohl die Endphase der körperlichen Entwicklung als auch die Endphase der geistigen Entwicklung durch die Perfektionierung durch Kombination von erlerntem Verhalten und eigener Erfahrung. Dadurch steigert sich die Eigeninitiative, was häufig zu Provokationen ranghöherer Rudelmitglieder führt und Rangordnungsstreitigkeiten nach sich zieht. In dieser Zeit ist eine
konsequente Erziehung enorm wichtig, kleinste Nachlässigkeiten wird der Junghund sofort auszunutzen wissen.
Ungefähr ab dem 2. Lebensjahr hat der Junghund sein Verhalten ausgebildet, Territorial- , Sexual-, Jagd- und Sozialinstinkt sind
nun vollständig entwickelt.

 

Das (Über)-Ich-Instinktmodell des Hundes

Das Verhalten des Hundes basiert intrinsisch auf den vier genannten Instinkten: Jagd-, Sexual-, Territorial- und sozialem
Rudelinstinkt. Allerdings sind diese Instinkte bei den verschiedenen Rassen unterschiedlich stark ausgeprägt. Im Folgenden werden die Instinkte getrennt beschrieben. Doch können  sie nicht isoliert betrachtet werden, da verschiedene Handlungsweisen des Hundes häufig durch mehrere Instinkte beeinflusst sind.

Darüber hinaus wäre es fatal, wenn wir den Hund und sein Verhalten nur mit seinen Instinkten begründeten. Wir würden ihm damit auf der einen Seite jede Individualität absprechen und auf der anderen Seite letztendlich auch uns Menschen, bzw. dem sozialen Umfeld, die Einflussmöglichkeit auf das Verhalten des Hundes nehmen. Ähnlich wie wir Menschen hat auch der Hund Entscheidungsmöglichkeiten. Es gibtin seinem inneren Wesen, seiner Psyche, eine Entscheidungsebene. Diese Entscheidungsebene wird im (Über-) Ich-Instinktmodel als Über-Ich bezeichnet. Das Über-Ich entscheidet zwischen den Instinkten auf der einen Seite, also zwischen dem, was genetisch im Hund angelegt ist, und dem Ich.
Als Ich bezeichnen wir alles Erlernte und Anerzogene, also Faktoren, die den Hund von außen beeinflusst haben, sei es absichtlich durch gezielte Erziehung oder unabsichtlich durch Erfahrungen, die der Hund durch seine
Umwelt auch ohne den Menschen erworben hat.
Anhand eines einfachen Beispiels möchten wir aufzeigen, wie es bei Konflikten zwischen dem Instinkten und dem Ich zu einer Entscheidung des Über-Ichs kommt. Wie oben erläutert hat der Hund einen Rudelinstinkt. Der Rudelinstinkt bewirkt unter anderem, dass der Hund schon vom Welpenalter an instinktiv die Nähe eines Sozialpartners.
Bei der heutigen Einzelhundehaltung ist der Hund also bestrebt, eine Beziehung, eine soziale Bindung zum Menschen aufzubauen. Nun kann es aber sein, dass ein Hund im Vorfeld sehr negative Erfahrungen mit Menschen gemacht hat. Das führt im Hund zu einem Konflikt zwischen dem Rudelinstinkt, in diesem Fall dem Wunsch nach Nähe zum Menschen, und den negativen Erfahrungen mit dem Menschen. Das Über-Ich entscheidet nun, welcher Seite der Vorrang gegeben wird. Es entscheidet sich, wenn die negativen Erfahrungen nicht zu groß waren, für die Nähe zum Menschen und gibt damit seinem Instinkt nach. Überwiegen die negativen Erfahrungen mit dem Menschen wird der Hund seine Instinkte unterdrücken, bzw. das Über-Ich wird sich dafür entscheiden, dass der Hund den Menschen meidet.
Nun können wir aber den Hund mit seinen Instinkten und seinem Ich nicht alleine betrachten. Der Hund befindet sich nicht in einem luftleeren Raum. Deshalb muss beim (Über-) Ich-Instinktmodell immer die aktuelle Situation betrachtet werden. Beim oben genannten Beispiel  könnte sich das Über-Ich möglicherweise auch gegen den Kontakt mit dem Menschen entscheiden, weil der Hund einfach müde oder krank ist.

 

Jagdinstinkt

Der Jagdinstinkt entwickelt sich schon in der Übergangsphase  des Welpen mit dem Beuteschütteln, jedoch kann in dieser Phase nicht von der eigentlichen Jagd mit allen Sequenzen gesprochen werden. Wie unter den Entwicklungsphasen des Hundes beschrieben, wird der Hund im Alter von ca. 6 Monaten das erste Mal von der Mutterhündin mit zur Jagd genommen. Erst in diesem Alter erlernt der Hund durch Beobachten die gemeinschaftliche Jagd mit allen Sequenzen.
Dieses natürliche Verhalten bereitet uns Menschen häufig Probleme. Hat der Hund es nicht gelernt, seinen Jagdinstinkt zu kontrollieren, fängt er an, an der Leine zu ziehen, weil er einen interessanten Geruch aufgenommen hat. Oder er rennt hinter sich bewegenden Objekten her. Der unangeleinte Hund verschwindet dann oft für einige Zeit, weil er eine für ihn interessante Spur aufgenommen hat, oder aber sogar einer möglichen Beute hinterherjagt. Diese Hetzjagd ist für den Hund positiv besetzt, er belohnt sich sozusagen immer wieder selber, was es dem Halter umso schwerer macht, dem Hund dieses Verhalten abzugewöhnen.
Man könnte noch weitere Probleme aufzählen, die durch den Jagdinstinkt hervorgerufen werden. Der Ansatz
Social Interaction with Dogs schaut jedoch nicht auf die Probleme, die durch das natürliche Verhalten des Hundes entstehen können, sondern betrachtet die Instinkte des Hundes als Chance: als Chance für den Menschen und den Hund zugleich. Denn bevor ein Problem überhaupt entstehen kann, haben wir Menschen die Möglichkeit, mit dem Hund gemeinsam zu und, wenn es um den Jagdinstinkt geht, eben gemeinsam zu jagen. Warum erst Probleme entstehen lassen, wenn wir auch gezielt auf die Instinkte des Hundes eingehen können und mit dem Hund zusammen arbeiten und gemeinsam wachsen können?
Man kann sich fragen, wie es in der Stadt möglich sein soll, mit dem Hund zu jagen. Oder ob es nicht sinnvoller wäre, den Jagdinstinkt des Hundes einfach zu unterdrücken. Artgerecht ist dies nicht.  Nicht nur werden dem Hund wichtige Entwicklungsmöglichkeiten genommen, der Mensch vergibt auch die Chance, den Hund auf seiner natürlichen Instinktebene
anzusprechen und mit ihm gemeinsame Erlebnisse zu initiieren. Wenn der Hundehalter  die Potentiale seines Hundes nutzt, wird er erstaunt feststellen,  wie viel Spaß es dem Hund macht mitzuarbeiten.
Doch wie wird der Hund auf der Ebene des Jagdinstinktes angesprochen? Wie kann der Hundehalter den Jagdinstinkt des Hundes kontrollieren, und wie kann er eine Jagd initiieren? Genau diesen Fragen widmet sich Social
Interaction with Dogs.
Social Interaction with Dogs arbeitet mit einem Futterbeutel als Beuteersatz. Der Beutel ist aus einem Material, das keine giftigen Substanzen enthält. Er ist fest verschließbar, so dass der Hund nicht in der Lage ist, ihn selbständig zu öffnen.

Das Training mit dem Beutel wird folgendermaßen aufgebaut:
Zu Beginn wird der Beutel mit Leckerlis gefüllt. Um den Beutel für den Hund interessant zu machen, wird er in schnellen Zick-Zack Bewegungen vom Hund wegbewegt. Echte Beute würde ja ebenfalls vor dem Hund weglaufen. Zeigt der Hund Interesse
und beißt in den Beutel, wird er sofort bestätigt, indem er etwas aus dem Beutel fressen darf. Das bedeutet, dass der Beutel geöffnet wird und der Hund mit seiner ganzen Schnauze aus dem Beutel fressen kann. Bei einigen Hunden, vor allem bei ängstlichen, kann es zu Beginn auch ausreichend sein, wenn der Hund den Beutel nur mit der Nase berührt.
Im nächsten Schritt soll der Hund den Beutel zum Besitzer, also zum Ranghöchsten, zurückbringen. Der Hund wird durch Stimme, Gestik und Mimik dazu animiert, den Beutel zurückzubringen.
Anfangs reicht dabei ein einzelner Schritt oder eine Bewegung in  Richtung des Besitzers, was sofort wie oben beschrieben belohnt wird.
Beherrscht der Hund dies perfekt und apportiert den Beutel zuverlässig, wird der Beutel dem Hund abgenommen. In der freien Natur dürfen die rangniedrigeren Tiere die Beute zwar stellen und totschütteln, die ranghöheren Hunde sind jedoch für das Aufteilen der Beute zuständig und fressen in der Regel zuerst. Genau diesen Punkt verfolgt auch Social Interaction with Dogs. Nach Abnahme des Beutels wird der Beutel an die Brust gehalten und der Hund mit den Augen fixiert, was für den Hund bedeuten soll, dass er uns unsere Beute nicht streitig machen soll, da er rangniedriger ist. Akzeptiert der Hund dies und schaut weg, wird er genau in diesem Moment bestätigt. Im weiteren Verlauf ist darauf zu achten, dass die Augenblicke, in denen der Hund wegschaut, länger werden und das Ganze nicht zu einem “Wegschau-Trick” wird. Der Hund soll unterwürfiges Verhalten zeigen. Bringt der Hund den Beutel zuverlässig und akzeptiert, dass der Ranghöhere zuerst “frisst”, geht man einen Schritt weiter.
In der Ausgangsposition befindet sich der Hund nun seitlich hinter seinem Besitzer im Sitz oder Platz. Der Beutel wird
geworfen und das Signal “Bring” (oder “Apport” etc.) wird als Sicht- und Hörzeichen gegeben. Auslösereiz für das Apportieren des Beutels darf im weiteren Verlauf nicht das Werfen des Beutels sein, sondern die Kommunikation des Hundes mit seinem Besitzer. Das bedeutet, dass abgewartet wird, bis der Hund Blickkontakt aufnimmt. Erst dann wird das Signal zum Apportieren
gegeben. Dies hat einen simplen Hintergrund: Der Rudelführer bestimmt, wann die Jagd beginnt und in welcher Richtung sich die Beute befindet.
Der Hund verlässt sich immer mehr auf seinen Halter, weil dieser ihm den Jagderfolg garantiert. Der Besitzer wird somit zu einem verlässlichen Partner für den Hund!
Wichtig ist, dass der Hund bei jeder Übung die Emotionen des Besitzers spürt. Wenn der Hund etwas gut gemacht hat, muss er es auch durch Gefühle, zum Beispiel durch die überschwängliche Begeisterung seines Besitzers spüren.
Bei diesem gemeinsamen Tun wird der Hundehalter rasch merken, dass sich sein Hund an Ihm orientiert. Der Hund wird sich umso enger an sein Herrchen anschließen, je häufiger dieser das Fressen aus dem Futternapf weglässt und den Beutel mit normalem Fressen füllt, so dass sich der Hund sein Fressen durch die gemeinsame Jagd erarbeiten muss. Kann der Hund
zuverlässig apportieren, kann der Beutel auch versteckt werden,  so dass der Hund ihn suchen muss. Der Phantasie bei den
unterschiedlichen Varianten mit dem Beutel sind keine Grenzen gesetzt.

 

Sozialer Rudelinstinkt

Jedem Hund wohnt der soziale Rudelinstinkt inne: das Bestreben in einem Rudel zu leben, sich fortzupflanzen und gemeinsam erfolgreich zu jagen. Das Zusammenleben im Rudel bedeutet für den Hund in erster Linie, dass sein Überleben relativ gesichert ist. Ein Rudel ist, wie wir heute wissen, nicht in allen Bereichen hierarchisch strukturiert. Es geht nicht darum, dass die ranghöheren Tiere die rangniedrigeren unterdrücken. Ganz im Gegenteil, die verschiedenen Rudelmitglieder haben zwar einen unterschiedlichen Rang, dieser bietet ihnen aber  Schutz und Sicherheit. Man kann eher von einer Aufgabenverteilung innerhalb des Rudels sprechen. Im Gegensatz zu früheren Theorien weiß man heute, dass der oder die Ranghöchste nicht das kräftigste oder aggressivste Tier ist. Vielmehr zeichnet sich ein ranghohes Tier durch Gelassenheit und Überlegenheit aus. Ein solches Tier hat die besten Überlegenheits- und Überlebensstrategien entwickelt. Das ranghöchste Tier ist vor allem der größte Stratege innerhalb eines Rudels. Das sichert das Überleben des ganzen Rudels. Nicht das Tier, das sich blindlings jeder Gefahr in den Weg stellt, überlebt, sondern das Tier, das mit gefährlichen Situationen umgehen kann und die richtigen Strategien
entwickelt. Nur dadurch ist die Sicherheit aller Rudelmitglieder gewährleistet. (siehe hierzu auch u.a. Territorialinstinkt) Nur deshalb schließen sich die rangniedrigeren Tiere dem Rudel an und akzeptieren ihre Position innerhalb des Rudels.
Den sozialen Rudelinstinkt können wir Menschen uns im Zusammenleben mit dem Hund einerseits ideal zu Nutzen machen.
Anderseits birgt er bei falschem Umgang mit dem Hund auch Gefahren, im schlimmsten Fall Gefahren für andere Tiere und Menschen. So kann es sein, dass die Struktur innerhalb des Mensch-Hunde-Rudels gestört ist und nicht der Mensch, sondern der Hund sich als im Rang höher stehend empfindet. Dies kann sich zum Beispiel so äußern, dass der Hund auf seinen
Menschen aufpasst und ihm nicht mehr von der Seite weicht. Dieses Verhalten wird oft falsch interpretiert. Der Hundebesitzer ist der Meinung, der Hund sei lediglich sehr anhänglich und es sei doch so niedlich, wie er hinter ihm hertapse. Es kann aber auch sein, dass der Hund in dieser Situation den Menschen einfach nur ständig kontrollieren möchte, da der Ranghöchste den Überblick hat, wer was innerhalb des Rudels macht. So kontrolliert der Hund den Menschen auf Schritt und Tritt.
Ein weiteres Problem kann sein, dass der Hund seinen Besitzer nicht nur ständig begleitet und kontrolliert, sondern sich auch für dessen Schutz verantwortlich fühlt. Dies kann sich so äußern, indem er andere Hunde oder Menschen verbellt und / oder sogar beißt.
Oder der Hund hört nicht mehr auf seinen Besitzer, lässt sich nicht mehr abrufen, sobald er durch andere Hunde abgelenkt wird. Auch dies ist ein typisches Problem, bei dem der soziale Rudelinstinkt eine große Rolle spielt.
Doch auch hier gilt, wie schon beim Jagdinstinkt, dass solche Probleme gar nicht erst entstehen müssen. Social Interaction with
Dogs arbeitet in erster Linie mit dem sozialen Rudelinstinkt.  Er birgt die Chance einen Sozialpartner zu haben, der unter
Berücksichtigung der natürlichen Bedürfnisse des Hundes geformt werden kann. Doch wie können wir Menschen uns diesen Instinkt zu Nutze machen, wie sprechen wir den Hund auf der Ebene des sozialen Rudelinstinktes an?
Es ist einfach. Ein Beispiel wurde bereits genannt: das Apportieren des Futterbeutels.
Dabei wird nämlich nicht nur der Jagdinstinkt des Hundes angesprochen, sondern auch der soziale Rudelinstinkt. Indem der Mensch dem Hund sagt, dass er sich auf die Jagd vorbereiten soll (Ausgangsposition Sitz oder Platz hinter dem Besitzer) und indem er die Richtung angibt, in der sich die Beute, also der überlebenswichtige Jagderfolg befindet. Wie innerhalb eines Rudels initiiert der Ranghöchste, in diesem Fall der Mensch, die Jagd, gibt die Signale für die Jagdvorbereitung und den Startschuß für die  Jagd. Nachdem der Hund die Beute apportiert hat, “frisst” der Mensch zuerst und fixiert dabei den Hund mit den Augen. All dies greift den sozialen Rudelinstinkt auf, da der Hund völlig gewaltfrei und freiwillig lernt, dass es für ihn einen positiven Nutzen hat, sich am Menschen zu orientieren und somit den Menschen als Ranghöchsten anzuerkennen.
Obwohl das Apportieren des Beutels eine wichtige Rolle bei Social Interaction with Dogs spielt, ist es natürlich nicht die einzige Übung, sondern nur eine von unzählig vielen, da Social Interaction with Dogs sozusagen auf dem sozialen Rudelinstinkt des Hundes basiert. Einige weitere Beispiele sollen an dieser Stelle aufgezeigt werden: Der Hund sollte
nach Möglichkeit schon im Welpenalter vom Menschen Schutz und Geborgenheit erfahren. Erlebt der Hund eine für ihn subjektive Bedrohung, sollte sich der Mensch vor den Hund stellen und ihm dadurch Schutz geben. Der Mensch schützt somit den Hund und nicht der Hund den Menschen. Begegnet man auf einem Spaziergang einem fremden Hund  und empfindet
der eigene Hund diese Situation als bedrohlich, so sollte man den anderen Hund zuerst begrüßen und seinem eigenen dadurch
signalisieren, dass alles okay ist. Häufig sieht man bei Welpenspielstunden, aber auch auf Hundeplätzen, wie ein
Hund verzweifelt Schutz bei seinem Besitzer sucht, indem er vor den anderen Hunden wegrennt und sich zwischen den
Beinen seines Besitzers verstecken will. Scheucht man den Hund immer wieder von seinen Beinen weg hin zu den anderen
Hunden, so wird dem Hund genau das Falsche vermittelt: Er hat Schutz suchen wollen, doch der Besitzer schubst ihn immer wieder gerade zu der Gefahr, die für den Hund als bedrohlich wahrgenommen wird. Wie soll der Hund seinen Menschen als souveränen Rudelführer anerkennen, wenn dieser ihn doch immer wieder in Saituationen bringt, die der Hund als gefährlich empfindet? In einer solchen Situation sollte der Besitzer genau andersherum reagieren, seinem Hund Schutz gewähren, die anderen Hunde ggf. abwehren und erst einmal einschätzen, was genau dem Hund Angst macht, um ihm diese anschließend langsam und sicher zu nehmen.
Im Gegensatz zu anderen Hundererziehungsmethoden ist Social Interaction with Dogs bestrebt, dass der Hund lernt ohne Leine
zu laufen. Dabei muss er nicht zwingend hinter dem Menschen herlaufen, im Gegenteil, er kann sich auch von ihm entfernen. Entscheidend ist nur, dass der Hund zu jeder Zeit abrufbar ist. Das wiederum bedeutet, dass im Unterschied zum Leckerlitraining, nicht das Leckerli, sondern der Mensch mit seinen Emotionen, seiner Gestk und Mimik, mit seiner Stimme, kurzum der Mensch als soziales, individuelles Wesen das Begehrenswerte für den Hund ist. Durch gemeinsame, positive Erfahrungen ist der Mensch für den Hund interessanter als alle anderen Ablenkungsreize.
Der Mensch ist keine Leckerlimaschine und auch kein Clickerautomat, sondern er hat Potenziale, die er in der Hundeerziehung nutzen kann. Machen Sie einfach etwas gemeinsam mit ihren Hund, springen Sie mit ihm über einen Ast im Wald und zeigen Sie ihm wie stolz Sie sind, dass Sie das gemeinsam geschafft haben. Streicheln Sie Ihren Hund zu gegebener Zeit dort wo er es am liebsten hat. Arbeiten sie mit ihrer Stimme und ihren Gefühlen.
Territorialinstinkt

Der Territorialinstinkt dient in erster Linie dem Sichern des Jagdgebietes, bzw. damit verbunden sichert er das Überleben des Hundes. Jeder Hund, jedes Hunderudel benötigt ein Territorium, in dem gejagt werden kann. Dieses Territorium muss so groß sein, dass das Rudel genügend Beute darin findet und alle davon satt werden. Ist das Territorium zu klein, muss es erweitert werden. Im Rudel sind die Aufgaben für das Territorium klar geregelt: Die ranghöheren Tiere sind zuständig für das Markieren des Territoriums durch Urin und Kot. Sie stecken dadurch die Grenzen ab und zeigen damit anderen Hunde, die nicht zum eigenen Rudel gehören, dass dieses Gebiet schon besetzt ist.
Nun kann es aber sein, dass ein fremder Hund oder ein fremdes Rudel das Territorium betritt, weil sich in den angrenzenden Gebieten zu wenig Nahrung findet. In diesem Fall müssen die ranghöheren Tiere das eigene Territorium verteidigen. Sie müssen sich den Eindringlingen stellen und das eigene Gebiet schützen. Hierbei wird deutlich, dass der Territorialinstinkt nicht losgelöst vom sozialen Rudelinstinkt betrachtet werden kann. Deswegen suchen sich die ranghöheren Tiere auch immer die strategisch wichtigsten Plätze, um das Territorium zu schützen, zu bewachen und zu beobachten.
Wir könnten an dieser Stelle noch viel ausführlicher über den Territorialinstinkt von freilebenden Hunden schreiben, jedoch sind für die Hundeerziehung schon zwei wichtige Punkte genannt worden, nämlich, dass die ranghöheren Tiere für das Territorium zuständig sind und dass für das Beobachten des Territoriums strategisch wichtige Plätze eingenommen werden. In unserer häuslichen Situation bedeutet dies, dass wir Menschen als Ranghöhere strategisch wichtige Plätze einnehmen sollten. Dadurch können wir dem Hund deutlich machen, dass wir ranghöher sind, dass wir den Überblick haben und der Hund sich sicher fühlen kann. In der häuslichen Umgebung sollte der Mensch zuerst durch Türen gehen, zuerst den Garten betreten, sich zuerst am Gartenzaun entlang bewegen. Der Mensch sollte auf der Couch sitzen und im Bett liegen, nicht der Hund. Diese Punkte oder diese sogenannten Hausregeln sind insbesondere für solche Hunde wichtig, deren Rangordnung in Bezug auf den Menschen noch nicht geklärt ist. Ist die Rangordnung geklärt und wird der Mensch vom Hund als ranghöher angesehen, kann diese Hausordnung auch verändert werden. Natürlich darf ein Hund, der dem Menschen seine Position nicht streitig macht, auch mit ins Bett
genommen werden oder auf der Couch liegen, wenn der Besitzer das möchte. Der Hund sollte aber diesen Platz sofort freiwillig räumen, wenn der Mensch es will. Allerdings sollte man von dieser Regelung Abstand nehmen, wenn die Beziehung zum Menschen gestört ist und die Rangordnung nicht geklärt ist.

 

Sexualinstinkt

Der Sexualinstinkt des Hundes dient in erster Linie der Fortpflanzung und damit dem Erhalt der Rasse und der Art. Wir Menschen können unterschiedlich auf den Sexualinstinkt einwirken. Wir können zum Beispiel den Rüden und auch die Hündin kastrieren lassen. Bevor wir dieses tun, sollte man sich aber erst einmal mit dem Instinkt auseinandersetzen und verstehen, was eine Kastration bewirkt, gewollt oder ungewollt. Wir werden uns nicht für oder gegen eine Kastration aussprechen, jedoch werden wir einige Fakten benennen, anhand derer jeder selber entscheiden kann, ob er seinen Hund kastrieren lässt.
Ein Rüde wird nur dann in seinem Wesen ruhiger, wenn die Ursache seines aggressiven Verhaltens im Sexualinstinkt begründet ist. Dies ist jedoch äußerst selten der Fall. Sollte der Hund z.B. andere Rüden verbellen, muss dies nicht zwangsläufig mit dem Sexualinstinkt zu tun haben. Dieses Verhalten kann auch territorial motiviert sein. Der Hund sieht in  anderen Hunden Konkurrenten in Bezug auf sein Territorium. Wird ein anderer Hund von einem Rüden aufgeritten, muss dieses Verhalten
auch nicht zwingend sexuell motiviert sein. Es kann auch durch den sozialen Rudelinstinkt ausgelöst werden, denn das Aufreiten schränkt das Gegenüber in seiner Bewegungsfreiheit ein und kann somit als eine Dominanzgeste angesehen werden.
Bei Hündinnen reduziert eine Kastration vor der ersten Läufigkeit das Brustkrebsrisiko um über 80 Prozent, vor der zweiten Läufigkeit noch um ca. 40 Prozent. Eine spätere Kastration hat keine Auswirkungen mehr auf das Krebsrisiko.
Allerdings kann eine Kastration auch Sinn machen, wenn man zwei Hunde unterschiedlichen Geschlechts besitzt oder aber, wenn man in Gegenden wohnt, in denen viele Hunde unterwegs sind: Für einen Rüden ist es bestimmt nicht angenehm, immerzu den
Geruch einer läufigen Hündin zu riechen, aber niemals zum Zug zu kommen. Andersherum ist es gewiss auch für Hündinnen und ihre Besitzer stressig, wenn man die läufige Hündin ständig unter Beobachtung haben muss und nicht ableinen kann, da zu viele unangeleinte Rüden in der Gegend umherlaufen.
Trotzdem bleibt zu bedenken, dass eine Kastration ein medizinischer Eingriff ist, der nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, und natürlich bestehen bei jedem medizinischen Eingriff Risiken.
Man sollte die Vor- und Nachteile genau abwägen.